4.20 UNGEWÖHNLICHE FLUGZUSTÄNDE: STEILSPIRALE UND TRUDELN

Ziele dieser Lerneinheit sind:

  • durch wiederholtes Üben eine Panikreaktion vermeiden
  • Anzeichen für diese Flugzustände lernen und erkennen
  • direktes Ausleiten mit minimalem Höhenverlust

Steilspirale
Dies ist ein nicht überzogener Flugzustand. Die Geschwindigkeiten sind viel größer als beim Trudeln. Eine Steilspirale kann dadurch entstehen, dass du beim Einleiten einer Kurve den Steuerknüppel spät oder gar nicht ziehst um die Nase weiterhin am Horizont zu halten. Die Geschwindigkeit nimmt zu. Drehst du sehr steil und kannst du die Geschwindigkeit durch Ziehen am Knüppel nicht mehr vermindern, befindest du dich in einer Steilspirale.

Weitere Merkmale sind:

  • sehr schnelle Fahrtzunahme, am Fahrtmesser sichtbar
  • sehr schnell zunehmendes Fahrtgeräusch
  • schnell ansteigende positive G-Belastung
  • schnell zunehmende Ruderdrücke

Normalerweise zieht man mit dem Steuerknüppel die Nase wieder an den Horizont, aber in diesem Fall hat das Ziehen am Knüppel die Eigenschaft, dass der Drehradius kleiner wird, die Geschwindigkeit ansteigt, und die Belastung zunimmt. (Deine Ruder wirken achsenbezogen und nicht wie du es gerne möchtest).

Steilspirale ausleiten

  • Querneigung mit Quer- und Seitenruder verringern, und den Sturzflug sanft abfangen
  • Höchstgeschwindigkeit keinesfalls überschreiten, ggf. frühzeitig die Luftbremsen ausfahren

Steilspirale vermeiden
Eine Steilspirale kannst du vermeiden, wenn du immer koordiniert steuerst. Nimm bei Erreichen deiner gewünschten Kurvenquerneigung die richtungsgebenden Ruder zurück und ziehe bei einer steileren Kurve nicht zu sehr am Höhenruder.

Trudeln
Trudeln ist ein überzogener Flugzustand bei dem das Segelflugzeug über eine Tragfläche wegkippt. Dein Segelflugzeug befindet sich sehr abrupt in einer schraubenförmigen vertikal geneigten Bahn und dreht sich wie ein Korkenzieher um die Hochachse nach unten. Die Strömung ist zum größten Teil abgerissen, dadurch verlierst du sehr schnell sehr viel Höhe. Trudelst du erstmalig mit deinem Flugzeug, stellt sich bei dir ein mulmiges Gefühl ein und du verlierst leicht die Übersicht. Bei wiederholtem Trudeln verstehst du was passiert und folgerichtiges Handeln löst die panikartigen Gefühle ab.

Trudeln kann entstehen, wenn du zu langsam fliegst und ein Strömungsabriss unmittelbar bevorsteht. Kommt nun ein Impuls hinzu, der zu einer Gier-/ Drehbewegung führt, führt dies zum Trudeln. Das kann ein Strömungsabriss an nur einer Tragfläche sein, ein Ruderausschlag oder Beides. Ein Beispiel hierfür ist eine langsam geflogene Kurve in niedriger Höhe zum Eindrehen in den Endanflug, wo aus Angst vor dem Erdboden mit viel Seitenruder und wenig Schräglage geflogen wird.

Beim Trudeln bleibt der Innenflügel überzogen (abgerissene Strömung) am Außenflügel ist noch etwas Strömung vorhanden, wodurch eine fortlaufende Drehbewegung entsteht (Autorotation). Am Seitenruder liegt noch Strömung an und es bleibt wirksam.

Viele der moderneren Ausbildungsflugzeuge gehen nur schwer ins Trudeln und beenden dies oft selbständig durch Neutralstellung aller Ruder.

Sicherheitsvorkehrungen
Dein Fluglehrer wird mit dir das Trudeln einleiten. Das Einleiten des Trudelns ist von vielen Faktoren wie Flugzeugtyp, Beladung und Schwerpunktlage, Wetterbedingungen, Bemessung der Steuerflächen usw. abhängig.

Zunächst sind einige Sicherheitsvorkehrungen innen und außen am Flugzeug zu treffen

  • Innen: Keine losen Gegenstände im Cockpit, Sicherheitsgurte richtig und fest anlegen, Luftbremsen eingefahren und verriegelt, Trimmung auf normaler Geschwindigkeit eingestellt.
  • Außen: Dafür sorgen, dass genügend Höhe für die Übung vorhanden ist. Links- und Rechtkreis fliegen und den Luftraum prüfen, ob sich keine anderen Flugzeuge unterhalb im Übungsraum befinden.

Eine vollständige Umdrehung beim Trudeln bedeutet je nach Segelflugzeugtyp ein Höhenverlust von mindestens 50 m. Die meisten Segelflugzeuge verlieren jedoch wesentlich mehr, 80 m bis 100 m sind durchaus üblich. Du musst wissen, dass zu diesem Höhenverlust noch der Abfangbogen mit weiteren 50 m bis 100 m hinzukommt. Spätestens in 450 Metern über Grund muss das Trudeln beendet und die Normalfluglage eingenommen sein.

Trudeln ausleiten
Segelflugzeuge haben unterschiedliche Trudeleigenschaften. Daher muss das Ausleiten des Trudelns nur mit dem im Flughandbuch deines Segelflugzeugs beschriebenen Verfahren erfolgen. Du wirst deshalb diesen Abschnitt aufmerksam lesen.


Um das Trudeln zu beenden, benutzt du das Seitenruder. Du bist geneigt mit dem Steuerknüppel, die tiefer hängende Fläche wieder hoch zu holen. Dies bewirkt aber nur das Gegenteil. Das ausgeschlagene Querruder bewirkt einen höheren Anstellwinkel was den bereits vorhandenen Strömungsabriss nur begünstigt.

Bei den meisten Segelflugzeugen ist das sogenannte „Standardausleitverfahren“ wirksam

  1. Seitenruder voll gegen die Drehrichtung
  2. Höhenruder neutral stellen. Diese Steuerbewegung bewusst durchführen. Ein häufiger Fehler ist, den Steuerknüppel zu wenig nach vorne zu bewegen, da die Flugzeugnase ja „schon nach unten zeigt“
  3. Querruder neutral stellen.
  4. Sobald das Drehen stoppt, Seitenruder neutral stellen und den Sturzflug behutsam abfangen. Dabei nicht zu früh und zu hart abfangen, um einen erneuten Strömungsabriss zu vermeiden.

Trudeln vermeiden!
Trudeln in geringer Höhe ist sehr gefährlich. Zur Vermeidung musst du rechtzeitig das Richtige tun, und nicht einfach abwarten. Es sind folgende Punkte sehr wichtig:

  • keine abrupten Steuerbewegungen ausführen, besonders wenn du langsam fliegst
  • beim langsamen Fliegen nicht schieben
  • in einer Kurve nicht zu langsam werden und
  • in einer langsam geflogenen Kurve auf keinen Fall schieben

Fazit: Durch mehrfaches Üben des überzogenen Flugzustandes, des Trudelns und des Spiralsturzes erkennst du diese Flugzustände rechtzeitig. Dadurch kannst du frühzeitig die richtigen Gegenmaßnahmen ergreifen, um zu einer normalen Fluglage zurück zu kehren.