4.11 WINDENSTART

Anrollen (1):
   ➢  Tragflächen waagerecht halten
   ➢  die linke Hand ist in der Nähe des gelben Ausklinkgriffes
   ➢  Höhensteuer in Neutralstellung halten und nicht nach hinten ziehen
   ➢  mit dem Seitenruder die Richtung halten

Abheben (2):
   ➢  Aufbäumen verhindern, sanfter Übergang in den Steigflug
   ➢  nicht zu steil werden
   ➢  bei Startunterbrechung geradeaus landen

Verlauf des Windenstarts (3):
   ➢  Lage und Geschwindigkeit kontrollieren
   ➢  Achtung Startunterbrechung

Ende des Windenstarts (4):
   ➢  Normalfluglage einnehmen
   ➢  dreimal nachklinken
   ➢  Orientierung
   ➢  Flugzeug austrimmen

 

Ein Windenstart bringt dich in ca. 30 Sekunden auf etwa 400 m Höhe. Eine solch beeindruckende Startmethode erfordert volle Konzentration vom Piloten und Windenfahrer. Dies gilt besonders zu Beginn des Windenstarts. Hier muss schnell und handlungssicher reagiert werden. Die Flug- bahn beschreibt jedes Mal denselben sicheren Startbogen. Er beginnt flach und wird je höher das Segelflugzeug aufsteigt langsam steiler bis zur normalen Steigfluglage. Alles ist für jeden einzelnen Start abhängig vom Flugzeug, dem Wind, dem Typ der Winde und den Steuereingaben des Piloten. Du orientierst dich und kontrollierst deinen Steigwinkel durch Heraus- schauen nach rechts und links. Als vorderen Bezugspunkt kannst du, wenn möglich eine Wolke nehmen. Um den Windenstart zu erklären, unterteilen wir diesen in verschiedene Phasen.

ANSCHLEPPPHASE
Zum Anschleppen hältst du den Steuerknüppel neutral bis leicht gedrückt. Die Tragflächen hältst du durch angepasste Querruderausschläge waagerecht. Das Seitenruder darfst du beherzt mit größeren Ausschlägen nutzen, um ein Ausbrechen zu verhindern. Durch die niedrige Geschwindigkeit sind die Ruder nicht so gut wirksam. Deshalb sind für eventuelle Korrekturen größere und schnellere Ruderausschläge erforderlich.
Das Segelflugzeug wird bei genügend Geschwindigkeit und Auftrieb selbstständig abheben, ohne dass du es vom Boden wegziehst.
Sollte eine Tragfläche den Boden berühren, musst du sofort ausklinken.

HAND BEIM GELBEN AUSKLINKGRIFF
Halte die linke Hand im Bereich des gelben Ausklinkgriffes, um im Notfall sofort ausklinken zu können. Auf gar keinen Fall solltest du dich am Griff für die Luftbremsen oder der Haubenverriegelung festhalten. Du könntest versehentlich die Luftbremsen entriegeln oder die Haube öffnen.

Die Gefahren bei einer zu steilen Steigfluglage in geringer Höhe sind Strömungsabriss und Seilriss. Wenn der Anstellwinkel zu groß ist, wird das Flugzeug überzogen, nimmt der Widerstand zu und die Strömung an den Tragflächen reißt ab.
Wenn du bei ausreichender Fahrt die Steigfluglage langsam erhöhst, ist die Wiederherstellung der Normalfluglage nach einer Startunterbrechung jederzeit möglich.

ALLMÄHLICH DEN STEIGWINKEL ERHÖHEN, AUFBÄUMEN VERHINDERN!
In der ersten Phase des Windenstarts darfst du nicht zu steil werden. Kunststoffdoppelsitzer startest du meist mit Trimmung und Steuer- knüppel in Neutralstellung. Einige Segelflugzeuge, wie z. B. die Ka 8, haben die Tendenz, nach dem Abheben zu steil zu steigen (Aufbäumen), insbesondere wenn der Windenfahrer zu schnell anzieht. Das kannst du durch angepasstes Drücken des Steuerknüppels verhindern.
Du solltest die Steigfluglage gleichmäßig und sanft erhöhen. Nachdem du einen größeren Abstand vom Boden erreicht hast und auch die Geschwindigkeit ausreicht, darfst du allmählich steiler werden (ca.
5 Sekunden; zähle 21-22-23-24-25).
Durch abrupte Ruderausschläge erhöhst du das Risiko des Überziehens oder einer Startunterbrechung. Nur wenn die Steigfluglage nicht zu steil ist, kannst du bei einer Startunterbrechung schnell die Normalfluglage ein- nehmen. Wenn das Segelflugzeug sich aufbäumt, funktioniert das nicht. In diesem Fall nimmt die Geschwindigkeit so schnell ab, dass nicht aus- reichend Fahrt vorhanden ist, um die Normalfluglage wieder herzustellen. Deshalb merke dir: Aufbäumen unter allen Umständen verhindern!

DER PILOT IST VERANTWORTLICH FÜR DEN START
Ein sicherer Windenstart ist eine Frage der Erfahrung, des Gefühls und nicht zuletzt auch der äußeren Umstände. Der Windenfahrer schätzt die Geschwindigkeit; er kann nicht auf den Fahrtmesser deines Flugzeugs schauen. Wann immer du durch Windböen oder Thermikblasen geschleppt wirst, variiert die Geschwindigkeit. Als Pilot kannst du die Geschwindigkeit per Funk durchgeben.

ZU LANGSAMER WINDENSTART
Wenn du zu langsam geschleppt wirst, musst den Steuerknüppel nachlassen. Du meldest deine Fluggeschwindigkeit über Funk. Der Windenfahrer gibt jetzt Gas, deine Geschwindigkeit erhöht sich und du kannst den Steuerknüppel wieder allmählich anziehen.

Falls du weiter zu langsam bist, klinkst du aus.

Während des Windenstarts brauchst du deutlich mehr
Auftrieb als im Normalflug. Die Tragflächen müssen das Gewicht des Flugzeugs tragen, und zusätzlich die Kraft des Windenseils ausgleichen. Die Geschwindigkeit im Windenstart ist deshalb etwas erhöht im Vergleich zur Normalfahrt. Für alle Segelflugzeuge ist die zulässige Geschwindigkeit für den Windenstart im Flughandbuch festgelegt. Überprüfe deine Fluggeschwindigkeit regelmäßig.

ZU SCHNELLER WINDENSTART
Wird der Windenstart zu schnell, informiere per Funk den Windenfahrer und er wird langsamer schleppen. Wird die nach Flughandbuch zulässige Höchstgeschwindigkeit im Windenschlepp überschritten, ist sofort auszuklinken.

AUSKLINKHÖHE
Zum Ende des Windenschlepps wird dein Steigwinkel flacher und die Nase des Segelflugzeugs senkt sich.
Nun spürst du, wie der Seilzug zurückgeht und infolge der automatischen Ausklinkvorrichtung das Seil herausfällt. Wenn dies nicht geschieht, musst du ausklinken.
Jetzt nimmst du die Normalfluglage ein (nachdrücken), klinkst dreimal nach und trimmst dein Flugzeug aus. Orientiere dich.